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Wie deutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen können, um ihre Klimarisiken zu managen und Resilienz aufzubauen

Wie deutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen können, um ihre Klimarisiken zu managen und Resilienz aufzubauen

Wie deutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen können, um ihre Klimarisiken zu managen und Resilienz aufzubauen

Warum Klimarisiken zur Chefsache werden

Klimarisiken sind für deutsche Unternehmen längst mehr als ein abstraktes Zukunftsszenario. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitzewellen oder Dürren stören Lieferketten, gefährden Produktionsstandorte und verändern Nachfrage- sowie Investitionsbedingungen. Dazu kommen regulatorische Anforderungen, etwa die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder verschärfte Berichtspflichten zu Klimarisiken und Emissionen.

Vorstände und Geschäftsführungen stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen sowohl physische Risiken (z.B. Überschwemmungen, Sturmschäden, Hitzebelastung von Mitarbeitenden) als auch transitorische Risiken (z.B. CO₂-Preise, strengere Umweltauflagen, technologische Sprünge, Marktumbrüche) im Blick behalten – und gleichzeitig Chancen identifizieren. Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei helfen, diese Komplexität beherrschbar zu machen.

Wo Künstliche Intelligenz echten Mehrwert im Klimarisikomanagement schafft

Künstliche Intelligenz ist kein magischer Alleskönner, sondern ein Werkzeug, das besonders dann stark ist, wenn viele Daten ausgewertet, Muster erkannt und Szenarien berechnet werden müssen. Genau das ist beim Management von Klimarisiken der Fall. Einige Kernbereiche, in denen deutsche Unternehmen KI bereits heute sinnvoll einsetzen können, sind:

Physische Klimarisiken: Standorte und Lieferketten neu bewerten

Traditionell wurden Standortentscheidungen vor allem anhand von Kosten, Verfügbarkeit von Fachkräften, Infrastruktur und politischer Stabilität getroffen. Der Klimawandel zwingt Unternehmen, eine weitere Dimension hinzuzunehmen: die langfristige Verwundbarkeit gegenüber Extremwetter und klimatischen Veränderungen.

KI-gestützte Modelle können historische Wetterdaten mit Klimaszenarien aus Klimamodellen der Wissenschaft verknüpfen und für konkrete Standorte auswerten. So lassen sich Wahrscheinlichkeiten und potenzielle Schäden für:

aufschlüsseln – nicht nur für die kommenden ein bis zwei Jahre, sondern in Szenarien bis 2030, 2040 oder 2050.

Gleichzeitig lassen sich mit KI Lieferketten detailliert kartieren. Viele Unternehmen wissen zwar, wo ihre direkten Zulieferer sitzen, aber nicht, wie deren Lieferketten in der Tiefe aussehen. Mithilfe von KI-gestützter Textanalyse, Web-Scraping und Netzwerkmodellierung können Firmen:

Dadurch wird sichtbar, welche Klimarisiken an welcher Stelle der Wertschöpfungskette besonders groß sind – ein entscheidender Schritt, um Resilienz aufzubauen.

Transitorische Risiken: Politik, Märkte und Technologien im Blick behalten

Neben extremen Wetterereignissen bedrohen auch politische und ökonomische Umbrüche die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen. Steigende CO₂-Preise, neue Effizienzstandards, sich rasch verbreitende grüne Technologien oder veränderte Kundenpräferenzen können Märkte innerhalb weniger Jahre umkrempeln.

Hier kommen vor allem KI-gestützte Analysewerkzeuge ins Spiel, die große Mengen unstrukturierter Daten auswerten: Gesetzesentwürfe, Regulierungsdokumente, Branchenberichte, Nachrichtenflüsse, wissenschaftliche Studien oder Social-Media-Trends. Solche Systeme können:

Aus diesen Informationen entstehen Risikokarten, die anzeigen, welche Geschäftsbereiche eines Unternehmens besonders exponiert sind – und wo sich Chancen für neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle eröffnen.

KI in der Produktion: Energiemanagement und Emissionsreduktion

Ein direkt messbarer Hebel zur Erhöhung der Resilienz liegt in der Reduktion von Energieverbrauch und Emissionen. Zum einen sinken dadurch Betriebskosten, zum anderen mindern Unternehmen so künftige Belastungen durch steigende CO₂-Preise oder strengere Standards.

In vielen deutschen Industrieunternehmen wird bereits eine Vielzahl an Produktionsdaten erfasst, sei es durch Sensoren an Maschinen, Energiemesssysteme oder digitale Steuerungen. KI kann diese Daten nutzen, um:

Dadurch wird nicht nur der CO₂-Fußabdruck kleiner, sondern auch das Risiko von Produktionsunterbrechungen durch klimabedingte Belastungen reduziert.

Finanzperspektive: Klimarisiken in Zahlen übersetzen

Investoren, Banken und Aufsichtsbehörden drängen zunehmend darauf, Klimarisiken und -chancen in finanziellen Kennzahlen abzubilden. KI kann helfen, Brücken zwischen Klimadaten, operativen Prozessen und Finanzmodellen zu schlagen.

Typische Einsatzfelder sind:

Berichtspflichten und ESG: KI als Helfer in der Datenerfassung

Mit der CSRD und anderen Regulierungen wächst in Deutschland der Druck, Nachhaltigkeits- und Klimadaten systematisch zu erfassen, zu dokumentieren und zu berichten. Für viele mittelständische Unternehmen bedeutet dies einen erheblichen Mehraufwand.

KI-gestützte Tools können:

So werden Ressourcen im Controlling, in Nachhaltigkeitsabteilungen und im Reporting entlastet – und der Fokus kann stärker auf strategische Fragen gerichtet werden.

Resilienz als strategisches Leitmotiv: Vom Projekt zum System

Die Einführung von KI im Klimarisikomanagement ist kein reines IT-Projekt. Sie erfordert eine strategische Verankerung im Unternehmen. Entscheidend ist, dass Resilienz – also die Fähigkeit, Schocks zu absorbieren, sich anzupassen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen – zum Leitmotiv wird.

Dazu gehören mehrere Schritte:

Praxisnahe Schritte für deutsche Unternehmen

Um nicht in der Komplexität zu ersticken, empfiehlt es sich, mit klar umrissenen Anwendungsfällen zu beginnen. Beispiele für pragmatische Einstiege sind:

Solche Projekte liefern schnell sichtbare Ergebnisse, schaffen internes Vertrauen in KI-Anwendungen und bauen die notwendigen Daten- und Prozessstrukturen für weitere Schritte auf.

Ethik, Transparenz und Akzeptanz: Worauf es zusätzlich ankommt

Je stärker Unternehmen KI in ihr Klimarisikomanagement integrieren, desto wichtiger werden Fragen von Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Fairness. Entscheidungen, die auf intransparenten „Black Box“-Modellen beruhen, stoßen intern wie extern auf Skepsis – insbesondere, wenn es um Investitionen, Standortschließungen oder Personalfragen geht.

Wesentliche Prinzipien, die Unternehmen beachten sollten, sind:

Ausblick: Vom Risiko zur Chance

Wer Klimarisiken lediglich als Bedrohung wahrnimmt, unterschätzt das transformative Potenzial der aktuellen Entwicklung. KI ermöglicht es, nicht nur Schäden zu begrenzen, sondern aktiv neue Geschäftsfelder zu erschließen – etwa rund um klimafreundliche Produkte, Dienstleistungen zur Risikoberatung, innovative Versicherungsmodelle oder datengetriebene Effizienzlösungen.

Für deutsche Unternehmen, insbesondere im industriellen Kern und im exportorientierten Mittelstand, eröffnet sich damit die Chance, ihre Stärken in Technik, Engineering und Qualitätsmanagement mit datengetriebenen Technologien zu verbinden. Künstliche Intelligenz kann zum zentralen Werkzeug werden, um sich in einer von Klimawandel und Unsicherheit geprägten Welt neu aufzustellen – robuster, anpassungsfähiger und wettbewerbsfähiger.

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